Bootstour Friesland
vom 20.05. bis 01.06.2021

Inhaltsverzeichnis

Donnerstag, 20.05.2021  -  Hinreise nach Leeuwarden

Freitag, 21.05.2021  -  Leeuwarden, Bootübernahme bei Yachtcharter Leeuwarden

Samstag, 22.05.2021  -  Yachtcharter Leeuwarden - Grou - Akkrum - Heerenveen

Pfingstsonntag, 23.05.2021  -  Heerenveen - Kuinre

Pfingstmontag, 24.05.2021  -  Kuinre - Ossenzijl - Steenwijk - Beulakerwijde

Dienstag, 25.05.2021  -  Beulakerwijde - Zwartsluis - Ketelmeer - Vollenhove

Mittwoch, 26.05.2021  -  Vollenhove - Ruhetag

Donnerstag, 27.05.2021  -  Vollenhove - Langwarder Wielen

Freitag, 28.05.2021  -  "Langwarder Wielen" - Sneeker Meer - Grou - Wergea

Samstag, 29.05.2021  -  Wergea - Leeuwarden - Burdaard - Dokkum

Sonntag, 30.05.2021  -  Dokkum - De Westereen - Burgumer Mar - Leeuwarden

Montag, 31.05.2021  -  Leeuwarden - Bootsabgabe - Reise nach Arnhem

Dienstag, 01.06.2021  -  Reise von Arnhem nach Hause.


Donnerstag, 20.05.2021  -  Hinreise nach Leeuwarden

Nach langer Ungewissheit wegen der Corona-Situation scheint es nun doch Realität zu werden. Meine Reise nach Friesland beginnt in Unterentfelden Post um 05:05. Ich will heute bis nach Leeuwarden durchreisen.

Diesmal habe ich einen Interrail Global Pass, der während 10 Tagen innerhalb von zwei Monaten gültig ist. Da ich ihn heute aktiviert habe, gilt er noch bis am 19. Juli und deckt damit die zweite geplante Bootstour mit Christoph, Hampi und Jörg vom 20. bis 29. Juni auch noch ab.

Ich habe die elektronische Version gewählt: Der Pass ist also nicht mehr auf Papier, sondern in der Rail Planner App auf dem Smartphone. Bis jetzt funktioniert alles problemlos und ich bin froh, dass ich nicht mehr in jedem neuen Zug die jeweilige Etappe von Hand auf dem Formular eintragen muss.

Der heutige Reisetag im elektronischen Interrail-Pass

So sieht das elektronische Ticket aus

Der ICE von Basel nach Frankfurt Flughafen fährt pünktlich und ist (mindestens in der 1. Klasse) fast leer. An diese Art des Reisens könnte ich mich gut gewöhnen.

Auch der nächste Zug, der ICE von Frankfurt Flughafen nach Utrecht ist pünktlich und in der 1. Klasse fast leer. In der 2. Klasse ist die Belegung allerdings etwas dichter, aber auch hier weit entfernt von voll. Dieser Zug wird normalerweise als Doppelzug geführt, heute ist es aber nur ein einfacher. Da kann man sich ausrechnen, wieviel weniger zur Zeit gereist wird, gegenüber zu normalen Zeiten.

Hier will der Zugbegleiter einen negativen Corona-Test sehen, weil ich nach Nederland reisen will. Kein Problem, denn einen solchen habe ich vorgestern im Testzentrum des KSA machen lassen. Dass ich ihn tatsächlich zeigen muss, hätte ich allerdings nicht erwartet.

Auf der Rennstrecke zwischen Frankfurt Flughafen und Köln bei ca. 280 km/h im ICE nach Utrecht

Bei der Einfahrt nach Arnhem Centraal wird ein Anschlusszug nach Zwolle ausgerufen. Moment mal, wenn ich den nehme, bin ich dann nicht schneller als wenn ich wie geplant noch bis nach Utrecht weiterfahre und erst dann den Zug nach Leeuwarden (der über Zwolle fährt) nehme? Ich prüfe das schnell und sehe, dass ich damit eine halbe Stunde einsparen kann. Ich möchte sowieso gerne Erfahrungen sammeln mit der Interrail-App, wenn man kurzfristig seine Reisepläne ändern will.

Ich lösche also die geplante Verbindung von Utrecht Centraal nach Leeuwarden und will erstmal eine neue, von Arnhem Centraal nach Zwolle, einfügen. Das geht aber nicht, weil ich gemäss Planung noch im Zug nach Utrecht sitze. Die App sagt mir, ich müsse diese Verbindung erst editieren. Das schaffe ich unter Zeitdruck aber nicht. So lösche ich kurzerhand die Verbindung von Frankfurt Flughafen nach Utrecht Centraal. So, jetzt funktioniert es und ich kann die Verbindungen Arnhem Central nach Zwolle und Zwolle nach Leeuwarden zufügen.

Dies ist die geänderte Reise, wobei leider nicht mehr ersichtlich ist, wie ich von Frankfurt Flughafen nach Arnhem Centraal gekommen bin.

Um 16:43 komme ich (eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant) in Leeuwarden an. Ich checke im Hotel Oranje (gleich gegenüber vom Bahnhof) ein und mache dann noch einen Stadtrundgang zu Fuss. Die Beizen sind wirklich geschlossen. Nur die Terrassen sind offen. So wie das Wetter heute ist (14°, 15 km/h), geht das gerade noch, aber ab morgen wird es kälter, regnerisch und sehr windig, und das leider für viele Tage. Ich werde also in den nächsten 6 bis 7 Tagen kaum Gelegenheit haben, auswärts zu essen.

Dies ist mein Hotel für diese Nacht, gleich gegenüber vom Bahnhof und neben meinen Lieblingsbeizen.

Nach noch ein wenig experimentieren habe ich herausgefunden, wie man ganz oder teilweise vergangene Etappen in der Interrail-App korrigieren kann: Man löscht die Etappen, die nicht stimmen und erfasst sie neu. Man kann problemlos Etappen, die in der Vergangenheit liegen, neu erfassen.

Dies ist die aktuell gemachte Reise. Etappen können auch im Nachhinein neu erfasst werden.


Freitag, 21.05.2021  -  Leeuwarden, Bootübernahme bei Yachtcharter Leeuwarden

Die Schliessung der Restaurants betrifft hier auch die Frühstücksräume der Hotels. Hier im Hotel Oranje muss ich deshalb mein Zmorge im Frühstücksraum abholen und in meinem Zimmer essen.

Mein Frühstück im Hotel Oranje

Nach dem Frühstück checke ich im Hotel noch nicht aus, sondern lasse mein Gepäck im Hotelzimmer. Zu Fuss hole ich das Mietvelo bei einem Fietsenmaker nahe beim Bahnhof ab. Ich habe das Velo vorgängig ausgewählt und per Mail reserviert und entsprechend geht das auch schnell. Ich muss für die 11 Tage dafür EUR 100.00 bezahlen.

Mietvelo von der Fietsstation 058

Jetzt fahre ich mit dem Velo (bei strömendem Regen und starkem Wind) rund drei Kilometer zur Bootsvermietung, um es dort erst mal zu deponieren. Mit dem Bus geht's wieder zurück zum Bahnhof. Jetzt hole ich mein Gepäck aus dem Zimmer, checke aus und fahre wieder mit dem Bus zur Bootsvermietung.

Für diese Bootstour habe ich ein Boot von Yachtcharter Leeuwarden ausgewählt. Beim Boot handelt es sich um das Aaltje. Aaltje ist die Verkleinerungsform von "Aal".

Bei Yachtcharter Leeuwarden begrüsst mich Fritz, den ich schon bei mehreren Telefongesprächen kennengelernt habe, herzlich. Nach Erledigung der Formalitäten (Identitätsnachweis und Kaution) führt mich Fritz zum Aaltje. Ich sehe sofort, dass das Boot in einem ausserordentlich sauberen und gepflegten Zustand ist. Die Einweisung durch Fritz ist sehr gründlich. Er nimmt sich viel Zeit bis mir alles über das Boot klar ist.

Auf Grund des herrschenden Sturms (Windstärke 7 mit Böen bis 8) rät mir Fritz dringend davon ab, heute schon loszufahren. Das auch im Hinblick darauf, dass ich allein an Bord bin und niemanden habe, der beim Los- und Festmachen helfen könnte. Auch weist er mich darauf hin, dass die Versicherungsdeckung bei Windstärke 8 und darüber nicht mehr gewährleistet ist. Das werde ich selbstverständlich befolgen und so habe ich genügend Zeit um mich einzurichten und um meine Einkäufe zu tätigen.

Das Aaltje von vorne

Das Aaltje von hinten

Das Aaltje von hinten

Der innere Steuerstand

Die Armaturen beim inneren Steuerstand

Die Küche

Die Küche

WC und Dusche

Der Motorraum und der Motor selber sind sauber und sehen sehr gepflegt aus

In einem Kilometer Entfernung gibt es einen grossen Jumbo (Supermarkt). Ich benötige zwei Fahrten für alle meine Einkäufe, weil die Kapazität der Velo-Taschen nicht für alles ausreichen würde. Die Hinfahrt gegen den Wind bei Windstärke 7 ist beide Male sehr mühsam. Im kleinsten Gang erreiche ich jeweils knapp Schrittempo. Dafür geht die Rückfahrt beide Male fast von selber.

Das Bett ist bereit für eine erholsame Nacht


Samstag, 22.05.2021  -  Yachtcharter Leeuwarden - Grou - Akkrum - Heerenveen

Es windet immer noch sehr stark. Deshalb warte ich noch mit dem Wegfahren. Ich fahre nochmals mit dem Velo zum Jumbo um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Am Rückweg mache ich noch ein Bild vom Hafen von Yachtcharter Leeuwarden.

Der Hafen von Yachtcharter Leeuwarden. Vom Aaltje sieht man nur ein wenig vom Bug, dafür sieht man die Waterraaf umso besser.

Die Waterraaf

Die Waterraaf ist das Boot, das ich in einem Monat zusammen mit drei Kollegen miete. Gestern konnte ich es betreten und mich ein wenig umsehen. Es ist ein wuchtiges Teil und wir können uns darauf freuen.

Gegen 11 Uhr lässt der Wind ein wenig nach und ich fahre ab. Kurz vor Wergea auf der Wergeaster Feart will ich an einem Marrekrite-Liegeplatz festmachen um etwas zu essen. Ich plane das Anlege-Manöver so, dass mich der Wind seitlich an den Liegeplatz drückt. Die Fender sind ja dazu da, das Boot etwas vom Anlegesteg entfernt zu halten. Aber jetzt passiert es schon: Der Wind kommt nicht rechtwinklig von der Seite, sondern schräg von vorne und das Boot bewegt sich etwas rückwärts bevor ich es festmachen kann. Zwei Fender rutschen hoch auf die Holzplanke und das Boot kommt mit dieser in Berührung, was am makellos aussehenden Rumpf Kratzer zur Folge hat. Normalerweise wäre das nicht so schlimm, denn die meisten Mietboote sind am Rumpf gehörig verkratzt und da kommt es auf einen weiteren Kratzer nicht so drauf an. Nicht so beim Aaltje, denn dieses wurde scheinbar im Winter gründlich überholt und sieht aus wie neu (bzw. hat bis heute Mittag wie neu ausgesehen). Und jetzt hat es leider seine ersten Kratzer abbekommen. Fritz wird enttäuscht sein.

Das Aaltje hat seit der letzten Überholung seine ersten Kratzer abbekommen

Ich fahre heute ziemlich lang Richtung Süden. Morgen werde ich die Provinz Friesland verlassen und nach Overijssel vorstossen. Das ist Neuland für mich. Ich übernachte wild an der Engelenfeart südlich von Heerenveen. Diesmal passe ich höllisch auf die Fender auf (mit Erfolg).

Die heutige Route: Yachtcharter Leeuwarden - Van Harinxmakanaal - Wergeaster Feart (Staande Mastroute) - Wergea - Grou - Prinses Margrietkanaal (zum ersten Mal begegne ich auf diesem keinem einzigen Frachtschiff) - Akkrum - Meinesleat - It Deel - Heerenveen - Engelenfeart.

Mein Liegeplatz für diese Nacht an der Engelenfeart

Die heutige Route


Pfingstsonntag, 23.05.2021  -  Heerenveen - Kuinre

Es regnet, dafür bläst der Wind nicht mehr so stark. Ich fahre bis ans südliche Ende der Engelenfeart, dann südwestlich entlang dem "Tsjonger of Kuunder" nach Schoterzijl. Weiter gehts auf dem "Bij of Tusschenlinde" bis nach Kuinre.

Mittagspause an einem Marrekrite-Liegeplatz

In Kuinre muss ich durch eine Schleuse. Ich verlasse hiermit den "Friese Boezem". Es geht abwärts, der Niveau-Unterschied ist aber gar nicht sichtbar. Es kann sich also nur um höchstens 5 cm handeln.

Schleuse in Kuinre

In Kuinre finde ich einen angenehmen Liegeplatz. Dort mache ich fest, um über Nacht zu bleiben. Kurz vor Kuinre habe ich die Provinz Friesland verlassen und befinde mich jetzt in der Provinz Overijssel. Seit Mitte Nachmittag regnet es nicht mehr und gegen Abend kommt sogar die Sonne. Ich mache noch eine kleine Velotour durch die Gegend.

"Mein" Kanal für morgen

Lustige Viecher. Sind das mutierte Schafe?

Ob hier oft Geschwindigkeitskontrolle nötig ist?

Der Abend in Kuinre wird sehr angenehm: Sonne, ca. 18°, kaum mehr Wind. Mal was ganz anderes und so richtig zum geniessen.

Mein Liegeplatz für diese Nacht in Kuinre

Die heutige Route


Pfingstmontag, 24.05.2021  -  Kuinre - Ossenzijl - Steenwijk - Beulakerwijde

Heute regnet es von morgens bis ca. 16:00. Zum Glück nicht so stark und mit Unterbrüchen und der Wind hält sich etwas zurück. Ich fahre von Kuinre auf der Lende nach Ossenzijl. Dann weiter auf dem Kanaal Steenwijk-Ossenzijl bis nach Steenwijk. Dann auf dem Kanaal Beukers via Zuideinde und gelange dann auf den See Beulakerwijde. Dieser gehört zum Nationalpark Weerribben-Wieden. Auf diesem See mache ich an einem Anlegeplatz an einer Insel fest, um über Nacht zu bleiben.

Sehr interessanter Hinweis, wo es doch vor und nach dieser Hochspannungleitung nur feste Brücken mit einer Durchfahrtshöhe von 2.60 Meter hat.

Etwa eine halbe Stunde, nachdem ich im See Beulakerwijde angekommen wird, wird es schön, mild und fast windstill. Es ist wieder ein Abend, den ich richtig geniessen kann.

Mein Liegeplatz für diese Nacht auf dem See Beulakerwijde im Nationalpark Weerribben-Wieden

Nach nun drei vollen Tagen Fahrt mit dem Aaltje habe ich genügend Erfahrung gesammelt, um noch etwas über das Boot berichten zu können. Soviel mal vorweg: Das Boot ist optisch, mechanisch, elektrisch und bezüglich Sauberkeit in einem Top-Zustand. Ich vermute, dass es vor nicht zu langer Zeit generalüberholt wurde. Das würde natürlich den guten Zustand erklären.

Ein paar Sachen, die bei Mietboten häufig für Ärger sorgen, sind Heizung, Stromversorgung, Trinkwasser-System mit Warmwasser-Aufbereitung, Duschenbefestigung, Dichtheit bei Regen, Scheibenwischer, Sauberkeit. Da gibt es beim Aaltje hingegen gar nichts zu bemängeln.

Nun, es gibt doch etwas, das mir an diesem Boot nicht so gut gefällt: Konstruktionsbedingt ist die Position der beiden Steuerstände (mindestens für mich) nicht so optimal. Beim Innensteuerstand sitzt man auch in der höchstmöglichen Position des Stuhles ziemlich tief. Zudem ist der Abstand vom Kopf zum vorderen Fenster recht gross. So hat man keine gute Übersicht und Manöver, sowie enge Durchfahrten, die Präzision erfordern, sind schwierig. Auch beim äusseren (hinteren) Steuerstand ist die Übersicht nicht optimal, weil man entweder durch den Innenraum oder übers Dach blicken muss.

Sicht beim Fahren vom inneren Steuerstand

Sicht beim Fahren vom äusseren Steuerstand wenn man am Boden steht

Sicht beim Fahren vom äusseren Steuerstand wenn man auf den Bänken steht

Das fahren vom äusseren Steuerstand, wenn man auf den Bänken steht, erlaubt es wenigstens, mit diesem Boot, das 2.40 Meter hoch ist, langsam unter einer Brücke von 2.41 Meter Höhe durchzufahren :-) . Man darf nur nicht vergessen, rechtzeitig den Kopf einzuziehen.

Die heutige Route


Dienstag, 25.05.2021  -  Beulakerwijde - Zwartsluis - Ketelmeer - Vollenhove

Ich fahre sehr früh los, weil ich heute eine lange Strecke vorhabe. Ich bin immer noch im Nationalpark Weerribben-Wieden und fahre Richtung Süden bis nach Zwartsluis.

Für die Aufzieh-Brücke bin ich nocht zu früh. Zum Glück hat es noch einen festen Teil mit einer Durchfahrtshöhe von 2.50 Meter, der für mich gerade reicht.

In dieser Schleuse werde ich ca. 37 cm angehoben. Das bringt mich aufs Niveau vom IJsselmeer.

Schiffswerft Eingangs Zwartsluis

Frachtschiff "De Valk" aus dem Wasser gehoben

In Zwartsluis mache ich einen kurzen Halt zum einkaufen. Nach der Weiterfahrt münde ich in das "Zwarte Water". Das ist ein grosser Kanal, auf dem auch sehr grosse Frachtschiffe verkehren.

Hier hätte es genug Terrasen, um gemütlich etwas zu trinken. Aber nicht bei dieser Kälte und Nässe.

Mit solchen Booten werden die Kanäle geprüft. Vermutlich wird die Tiefe abgetastet um zu prüfen, ob bestimmte Stellen wieder mal ausgebaggert werden müssen. Das ist heute schon der zweite Onderzoeker, der mir begegnet. Die beiden Fühler vorne können heruntergeklappt werden.

Die Elunda ist etwa doppelt so lang wie die anderen grossen Frachtschiffe. Sie besteht aus zwei Teilen.

Hier sind der vordere und der hintere Teil der Elunda zusammengekuppelt.

Jetzt durchfahre ich das "Zwarte Meer". Dieses ist nur sehr seicht und wäre damit nicht schiffbar (auch nicht für das Aaltje). Für die Durchfahrt der Schiffe ist auf der nördlichen Längsseite eine 3.5 Meter tiefe, durch rote und grüne Boien abgegrenzte Fahrrinne ausgebaggert.

Übersicht über die beiden Seen "Zwarte Meer" und Ketelmeer

Am westlichen Ende gelangt man in den Kanal Ramsdiep, der dann ins Ketelmeer führt. In der Mitte zwischen "Zwarte Meer" und Ketelmeer überquert eine Strassenbrücke Ramspolbrug den Ramsdiep. Bei dieser Brücke hat es eine feste Durchfahrt von 13.7 Meter Durchfahrtshöhe. Für die Schiffe, die noch höher sind, gibt es daneben einen Teil, der geöffnet werden kann.

Für die Zeldenrust (das heisst "Selten Ruhe") reichen die 13.7 Meter nicht. Für sie muss der bewegliche Teil geöffnet werden und der Strassenverkehr über die Brücke kommt für etwa 5 bis 10 Minuten zum Erliegen.

Unmittelbar nach der Brücke begegne ich einer interessanten Anlage. Es handelt sich um ein Wehr gegen Hochwasser, das vom Ketelmeer (und damit vom IJsselmeer) her kommen kann. Was ungeöhnlich ist, ist das Medium, welches das Wasser aufhalten soll: Dieses besteht hier aus einem Balg aus Gummi-Tuch, der hier leer auf dem Grund des Kanals ruht und der nötigenfalls je zur Hälfte mit Wasser und Luft gefüllt wird. Weil der Kanal hier sehr breit ist, gibt es drei hintereinanderliegende Sektionen mit solchen aufblasbaren Bälgen (als Kaskade angeordnet). Bei der Anlage handelt es sich um ein Balgstuw oder auf deutsch Schlauchwehr. Die Anlage bei Ramspol ist (gemäss Wikipedia) das grösste Schlauchwehr der Welt.

In diesem Video sieht man den Balgstuw in Betrieb

"Balgstuw bij Ramspol" Das ist ein aufblasbares Stauwehr

"Balgstuw bij Ramspol" Hier sieht man den aufblasbaren Balg

Der Kanal Ramsdiep führt am nördlichen Rand des Ketelmeer bis in seine Mitte (bezüglich West-Ost-Ausdehnung). Am westlichen Ende des Ramsdiep, beim Schokkerhaven, ist die eigentliche Zufahrt zum Ketelmeer. Wegen dort angebrachten Wellenbrecher-Dämmen muss man eine S-förmige Linie fahren (im folgenden Bild eingezeichnet), um ins Ketelmeer für die Weiterfahrt Richtung IJsselmeer zu gelangen.

Ketelmeer mit IJsseloog

Ich will zwar nicht ins IJsselmeer, aber ich wollte um das IJsseloog herumfahren. Das war mein eigentliches Ziel dieser Tour. Das IJsseloog (oder zum deutschsprachigen, aber weniger ausführlichen Wikipedia-Artikel IJsseloog) ist ein ringförmig angeordnetes Depot für kontaminierten Schlamm von rund 1 km Durchmesser. Um hineinzusehen, hätte man schon etwas wie die Zeldenrust oder ein Flugzeug gebraucht. Das Aaltje ist dafür zu niedrig. Trotzdem wollte ich die ringförmige Anlage mal mindestens von aussen sehen.

Das IJsseloog aufgenommen vom Schokkerhaven sieht aus wie eine bewaldete Insel.

Während der S-förmigen Einfahrt ins Ketelmeer, sobald ich den Wellenbrecher hinter mir habe, gerate ich voll in die Wellen, die von rechts auf mich zukommen. Das Aaltje schaukelt dermassen seitwärts, dass ich gehörig erschrekke. Sachen, die auf dem Kochherd oder Spültisch oder auf dem Salontisch liegen, fallen zu Boden und mein Velo beim hinteren Steuerstand stürzt um.

Sobald ich fertig eingedreht und den Wind wieder von vorne habe, wird es etwas besser, aber es schaukelt immer noch bedenklich (wenigstens nicht mehr seitwärts). Nein, dafür ist mir das Risiko zu gross und ich beschliesse umzukehren. Vom IJsseloog werde ich eh nicht viel mehr sehen. Jetzt mache ich aber einen Fehler: Ich hätte mich mit dem Bug gegen den Wind gerichtet (ohne Schub) zurücktreiben lassen sollen, bis ich vorwärts wieder ins S hätte fahren können. Aber das kommt mir zu spät in den Sinn. Stattdessen drehe ich links ab (wieder durch eine Schaukel-Partie) bis ich gegen Osten fahre. Dann um ins S zu kommen nochmals links und nochmals durch die Schaukel-Partie, bis ich endlich den See verlassen habe und das Boot hinter dem Wellenbrecher zur Ruhe kommt.

Ich bin wahrscheinlich doch nicht der geborene Seemann. Wenigstens bin ich mit dem Schrecken davon gekommen.

Ich fahre den ganzen Weg bis zum östlichen Ende des "Zwarte Meer" zurück. Dann biege ich nordwestlich ab in den Vollenhoverkanaal bis ins Dörfchen Vollenhove. Dort parkiere ich im Passantenhafen um die Nacht zu verbringen.

Mein Liegeplatz für diese Nacht im Passantenhafen von Vollenhove

Die heutige Route


Mittwoch, 26.05.2021  -  Vollenhove - Ruhetag

Es ist immer noch kalt, regnerisch und ziemlich windig. Erst ab morgen ist etwas schöneres und wärmeres Wetter angesagt. Heute ist auch Halbzeit dieser Bootstour. Ich beschliesse, den heutigen Tag in Vollenhove, vorwiegend auf dem Boot mit Boat-Office zu verbringen. Zum Glück habe ich hier im Hafen ein schnelles und starkes WiFi zur Verfügung.

Zwischendurch hellt es etwas auf. Das benutze ich für einen Ausflug mit dem Velo. Das gemietete Velo ist zwar in gutem Zustand und fast neu, aber glücklich werde ich damit nicht. Es ist sehr schwer und von den 7 Gängen kann man nur die Gänge 1 bis 4 wirklich brauchen. Die Gänge 5 bis 7 sind auch bei Rückenwind viel zu gross. Die zugehörigen Sacochen sind ein Ärgernis: Entweder stösst man mit dem Absatz daran an, oder (wenn man sie etwas weiter hinten montiert) geraten sie dauernd in die Speichen. Dazu kommt, dass das Aaltje nicht geeignet ist, um ein Velo mitzuführen. Wo man es auch platziert, ist es im Weg. Bei der nächsten Bootstour im Juni werde ich auf ein Velo verzichten.


Donnerstag, 27.05.2021  -  Vollenhove - Langwarder Wielen

Entgegen der Wetterprognose hält sich das Fotzelwetter noch lang. Es regnet bis gegen 16:00. Dann hört es zwar auf zu regnen, ist aber immer noch stark bewölkt. Erst etwa ab 19:00 wird es dann sonnig. Ich hoffe, das bleibt jetzt für die restlichen Tage so.

Heute fahre ich eine sehr lange Strecke: Sie führt von Vollenhove durch den Vollenhover Kanaal nach Blokzijl. Dann weiter durch Noorderdiep, "Valse Trog", "Giethoornsche Meer", Wetering, Heuvengracht, Kalenbergergracht nach Ossenzijl. Von dort durch Ossenzijlersloot, "De Lende", Driewegsluis, "Jonkers of Helomafeart, "De Tsjonger of Kuunder", "Pier Christianssleat" nach Echternerbrug. Zuletzt quer über das Tjeukemeer, durch "Skarster Rien", Scharsterbrug und durch den See "Langwarder Wielen" bis zu seinem nord-westlichen Ende.

Die durchfahrenen Städtchen Blokzijl und Ossenzijl sehen vom Boot aus vielversprechend aus, und bei besserem Wetter hätte ich mir diese sicher angeschaut. Aber da es stark regnet, macht das keinen Spass. Also fahre ich durch. Bei der Driewegsluis hält sich der Regen zurück und ich mache einen Halt, um diese Dreiwegschleuse anzuschauen.

Driewegsluis auf der Karte

Auf der Karte sieht man die Driewegsluis im Zentrum. Es steht zwar "zelfbediening", tatsächlich ist sie aber nicht mehr in Betrieb und die Kurbeln sind mit Ketten gesichert. Um die Driewegsluis zu ersetzen wurden links und rechts davon neue Kanalabschnitte mit neuen Schleusen errichtet.

Driewegsluis

Driewegsluis

Am nordwestlichen Ende vom See "Langwarder Wielen" finde ich einen schönen Marrekrite-Liegplatz. Hier bleibe ich für die Nacht.

Mein Liegeplatz für diese Nacht an einem Marrekrite-Platz auf dem "Langwarder Wielen"


Freitag, 28.05.2021  -  "Langwarder Wielen" - Sneeker Meer - Grou - Wergea

Was für ein Wunder, das schöne Wetter ist endlich da. Lange hat es auf sich warten lassen. Jetzt ist es herrlich: Sonnig, zwischendurch leicht bewölkt, milde und nur leichte Brise. So stelle ich mir das Böötle vor.

Auf dieser Bootstour wollte ich in den Süden vorstossen, nämlich in die Provinz Overijssel. Das habe ich gemacht und seit gestern bin ich wieder in Friesland. Zeitlich habe ich ziemlich Reserve und kann jetzt bezüglich Route gemütlich improvisieren. Heute fahre ich vom See "Langwarder Wielen" direkt zum Princes Margrietkanaal und folge diesem Richtung Nord-Osten. Unterwegs holt mich das Frachtschiff Shalimar ein. Ich fahre auf die Seite und lasse es überholen.

Das Frachtschiff Shalimar überholt mich

Vor Grou komme ich zur grossen Eisenbahnbrücke, die mich so fasziniert und die ich ja schon oft fotografiert und gefilmt habe. Einmal fuhr ich mit dem Velo von Grou zur Brücke um alles etwas besser und näher zu sehen. Aber ausgerechnet an dem Tag (es war ein Sonntag) war der Bahnbetrieb eingestellt und an der Brücke wurden Wartungsarbeiten durchgeführt.

Warum es nicht heute nochmals probieren? Ich parkiere das Boot in Grou an einem Passantenplatz und fahre mit dem Velo wieder zur Brücke.

Es herrscht grad Hochbetrieb bei den Frachtschiffen

Ich habe gemeint, die Panta Rhei verkehre auf dem Zürichsee

Das sehe ich zum erstenmal, dass die Brücke während Durchfahrten von Frachtschiffen bewegt wird.

Hei, das ist ja wieder die Nadorias. Die ist mir doch im September 2020 schon zweimal begegnet. Scheinbar fährt sie immer die gleiche Strecke hin- und her.

Erst jetzt realisiere ich, dass ich ja unter dem Aquädukt für die parallel zur Bahnlinie liegende Autobahn den Kanal unterqueren kann. So komme ich auf die bessere Seite, wo man näher heran kommt und auch die Sonne von der richtigen Seite scheint. Zudem sieht man jetzt alle drei Verkehrswege (Bahn, Kanal und Autobahn) gleichzeitig.

Zeit ist Geld. Die Brücke wird erst im allerletzten Moment aufgemacht 😀

Ich habe eigentlich auf einen Moment gehofft, wo sich auf der Brücke zwei Züge und sich unter der Brücke zwei grosse Frachtschiffe gleichzeitig kreuzen. Und das alles während sich die Brücke öffnet. 🤪

Hier sieht man jetzt sehr deutlich, wie die Pantographen nach der Durchfahrt wieder in die Fahrleitung einfädeln.

Nach meinem Ausflug zur Eisenbahnbrücke fahre ich noch eine gute halbe Stunde mit dem Boot.

Kaum ist das Wetter wieder schöner, haben die Terrassen wieder Hochbetrieb.

Ich verlasse den Prinses Margrietkanaal und nehme wieder die "Staande Mastroute", die mich nach Wergea bringt. Das ist ein Dörfchen mit einem angenehmen Passanten-Ufer. Da geniesse ich den wunderschönen Abend und bleibe für die Nacht.

Mein Liegeplatz für die Nacht in Wergea

Die heutige Route


Samstag, 29.05.2021  -  Wergea - Leeuwarden - Burdaard - Dokkum

Heute fahre ich weiter auf der "Staande Mastroute" Richtung Leeuwarden. Südöstlich von Leeuwarden komme ich in den "Van Harinxmakanaal". Diesem folge ich ziemlich weit im Süden von Leeuwarden Richtung Westen bis ich von Osten her durch die Slauerhofbrug einbiegen kann um durchs Zentrum von Leeuwarden zu fahren. Nach der Hermesbrug mache ich einen Halt um das Velo dem Vermieter zurückzubringen. Eigentlich wollte ich es erst am Montag zurückgeben, aber am Boots-Abgabetag sind logistische Probleme abzusehen.

Ich fahre weiter durchs Zentrum von Leeuwarden (Verlaatsbrug, Vrouwenpoortsbrug, Noorderbrug und Eebrug. Dann gehts weiter auf der "Dokkumer Ee" über Burdaard nach Dokkum.

Burdaard mit Restaurant "It Posthûs", oder kurz "s'Pöschtli"

In Dokkum angekommen fahre ich zuerst durch "Het Grootdiep". Das ist die Gracht, die Mitten durchs Zentrum führt. Die Zentrums-Brücke hat eine Durchfahrts-Höhe von 2.40 Meter. Das Aaltje auch. Aber es klappt. Dann fahre ich via Zuidergracht südlich von Dokkum auf die Baantjegracht. Dort mache ich fest, um über Nacht zu bleiben.

Ich mache noch einen Spaziergang durchs Städtchen, um auf einer Terrasse ein Biertje zu drinken.

Bei der Durchfahrt durchs Zentrum von Dokkum

Bei der Durchfahrt durchs Zentrum von Dokkum

Dokkum von der Zentrums-Brücke Richtung Osten

Mein Liegeplatz für diese Nacht auf der Baantjegracht von Dokkum

Die heutige Route


Sonntag, 30.05.2021  -  Dokkum - De Westereen - Burgumer Mar - Leeuwarden

Heute ist der letzte Fahrtag dieser Bootstour, denn morgen Vormittag muss ich das Boot (leider) schon wieder abgeben. Jetzt wo das Wetter endlich schön geworden ist und noch viele Tage schön bleiben soll, ist es wirklich schade, dass ich schon wieder heim muss. Nun, in drei Wochen bin ich ja schon wieder hier. Vielleicht ist das Wetter dann auch schön.

Direkt von Dokkum nach Leeuwarden wäre etwas kurz für einen Tag. Also mache ich einen Umweg über De Westereen aufs Burgumer Mar und von dort auf dem Prinses Margrietkanaal und dem Van Harinxmakanaal. Zuletzt gibts noch eine Zusatzschlaufe auf kleinen Kanälen im Osten von Leeuwarden, weil ich noch etwas abklären will. Gegen 16:00 komme ich im Hafen von Yachtcharter Leeuwarden an. Wer steht dort bereit, um mir beim Festmachen zu helfen? Fritz natürlich, und das an einem Sonntag!

Wieder auf dem Prinses Margrietkanaal

Spoorbrug Greuns beim östlichen Passantenhafen von Leeuwarden

Mein Liegeplatz für die letzte Nacht bei Yachtcharter Leeuwarden

Die heutige Route


Montag, 31.05.2021  -  Leeuwarden - Bootsabgabe - Reise nach Arnhem

Um 09:00 muss ich spätestens das Boot verlassen. Fritz ist seit rund 8 Uhr daran, die Boote, die nach einer Vermietung zurückgekommen sind, aufzutanken. Auch das Aaltje ist jetzt schon aufgetankt. Ich habe in diesen 10 Tagen 110 Liter Diesel verbraucht. Gemäss Motorstundenzähler ist der Motor während meiner Tour 47.5 Stunden gelaufen. Das ergibt einen erstaunlich niedrigen Verbrauch von nur 2.3 Liter pro Stunde. Tatsächlich ist es sogar noch etwas weniger, weil die Webasto-Bordheizung ja auch mit Dieselöl läuft. Und die Heizung habe ich in diesen kalten Tagen viel gebraucht.

Ich bin schon um 08:30 bereit und kann das Boot sofort abgeben. Für die Kratzer am Rumpf, die ich gemacht habe, muss ich EUR 25.00 bezahlen. Die Kratzer werden heute noch übermalt und sind (gemäss Fritz) heute Nachmittag bei der Abfahrt der neuen Mieter nicht mehr existent.

Nach der Fahrt mit dem Bus zur Station Leeuwarden nehme ich ein Frühstück im Cafe Wouters und dann reise ich mit dem Zug nach Arnhem, wo ich eine Reservation im Hotel Haarhuis habe. Wegen einer landesweiten Weichen- und Signalstörung dauert die Reise etwa 6.5 Stunden. Das ist zwar lästig, aber ich komme immer noch komfortabel früh in Arnhem an. Das Hotel Haarhuis in Arnhem ist sehr gut, unmittelbar beim Bahnhof und preislich vernünftig.


Dienstag, 01.06.2021  -  Reise von Arnhem nach Hause.

Die Rückreise mit dem ICE von Arnhem nach Basel ist diesmal unangenehm. Die Klimaanlage in dem Wagen, in dem ich eine Reservation habe, ist ausgefallen. Weil es ein sehr sonniger Tag ist, wird es auch entsprechened warm. So warm, dass die Brille (trotz Corona-Maske) nicht anläuft. Nach Köln hält uns eine Störung an der Bahnalage während 45 Minuten stehend auf der Strecke. Diese Verspätung kann der Zug natürlich nicht mehr aufholen und so fährt er wieder mal nicht bis Basel SBB, sondern nur bis Basel Badischer Bahnhof. Das bedeutet umsteigen auf ein anderes Perron mit Kofferschleppen. Rolltreppen oder Lifts gibt es beim Badischen Bahnhof nicht. In Basel SBB passt es wenigstens auf den IR 37, der über Aarau fährt.

Um 17 Uhr bin ich wieder zu Hause. Das war eine interessante Bootstour, bei der ich viel Neues (und auch Altes) gesehen und erlebt habe. Leider spielte während der ersten 7 Tage das Wetter nicht mit.


© 2009-2021 Röbi Sturzenegger